Gefährlicher Calciummangel bei Hunden

Calcium ist ein wesentlicher Bestandteil des Skeletts und erfüllt wichtige Funktionen, wie u.a. bei der Muskelkontraktion, Blutgerinnung, Enzymaktivität, Nervensystem und Hormonfreisetzung. Zahlreiche Stoffwechselstörungen beeinflussen den Calciumstoffwechsel und können zu einem erhöhten oder zu niedrigen Calciumspiegel im Körper führen.

Die häufigste Störung des Calciumstoffwechsels bei Hunden ist die postpartale Hypokalzämie (Calciummangel), auch bekannt als postpartaler Tetanus, Eklampsie oder Milchtetanie. Es ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der 2 bis 3 Wochen nach der Geburt von Welpen auftritt, wenn die Milchdrüsen die größte Menge an Milch produzieren. Am häufigsten sind Hunde kleiner Rassen bei hohen Wurfgrößen betroffen, obwohl eine postpartale Hyperkalzämie bei jeder Hunderasse, bei jeder Wurfgröße und zu jedem Zeitpunkt während der Saugphase auftreten kann. Eine Hypokalzämie ist höchstwahrscheinlich auf den Calciumverlust in der Milch und einen zu geringen Calciumgehalt in der Nahrung zurückzuführen.

Zu den frühen klinischen Symptomen gehören Keuchen und Unruhe. Krämpfe, Ticks, Muskelkrämpfe, Steifheit und mangelnde Koordination können ebenfalls auftreten. Der Hund kann verwirrt, überempfindlich und aggressiv werden sowie jaulen und sabbern. Zusätzlich kann es zum wiederholten starken Zittern sowie anhaltenden Muskelkrämpfen, schnellem Herzschlag, Fieber, epileptischen Anfällen und sogar Koma kommen. Ein Hund mit einer Tetanie sieht normalerweise gesund aus und seine Welpen entwickeln sich gut. Manchmal können klinische Symptome einer Hyperkalzämie vor oder während der Geburt auftreten. Diese Krankheit kann zu ineffektiven Wehen und einer langsamen Entbindung führen, ohne dass dabei andere klinische Symptome auftreten.

Die Erstdiagnose von Tetanie basiert auf der Krankengeschichte des Hundes, einer körperlichen Untersuchung, klinischen Symptomen und dem Ansprechen auf die Behandlung. Zur Bestimmung des Calciumspiegels sollten entsprechende Tests durchgeführt werden, um die Diagnose zu bestätigen. Bei Hunden mit einer diagnostizierten Hypokalzämie ist eine sofortige tierärztliche Behandlung erforderlich, deswegen ist eine schnelle Blutuntersuchung notwendig. Am besten ist jedoch prophylaktisch zu handeln und noch vor oder während der Trächtigkeit den Calciumspiegel zu prüfen. Hier eignet sich am besten die Fellmineralanalyse.

Im Gegensatz zu Blut oder Urin sammelt das Fell Informationen über Veränderungen des Mineralstoffwechsels im gesamten Organismus und liefert auf diese Weise ein tatsächliches und genaueres Bild vom Überschuss und Mangel an Nährstoffen sowie toxischen Belastungen als Körperflüssigkeiten.

Die Blutuntersuchung sagt nichts darüber aus, ob sich der Mineralstoffhaushalt im Gleichgewicht befindet, da die Zusammensetzung des Bluts auf Kosten anderer Gewebe und Organe (wie z.B. Fell) reguliert wird, indem ihnen fehlende Nährstoffe entnommen oder in zu großen Mengen vorhandene Nährstoffe abgegeben werden. Aus diesem Grund zeigt die Fellanalyse den tatsächlichen Ernährungszustand des tierischen Organismus.

Die tierärztliche Behandlung von Hypokalzämie beruht auf der intravenösen Verabreichung von Calciumlösungen, was in der Regel zu einer schnellen Besserung innerhalb von 15 Minuten führt. Welpen sollten 12 bis 24 Stunden nicht gefüttert werden. In dieser Zeit sollten sie mit Milchersatz oder einem anderen entsprechenden Futter gefüttert werden. Wenn sie reif genug sind, sollten sie abgesetzt  werden. Bei einer akuten Krise werden Calciumpräparate bis zum Ende der Saugphase verabreicht. Zur Erhöhung der intestinalen Calciumaufnahme können auch Vitamin-D-Präparate verabreicht werden. Der Calciumspiegel wird gewöhnlich wöchentlich überwacht.

Postpartale Hypokalzämie wird sich wahrscheinlich bei zukünftiger Trächtigkeit wiederholen. Zu den vorbeugenden Maßnahmen bei Hunden gehören eine qualitativ hochwertige Ernährung, die in Bezug auf Nährstoffe ausgewogen ist, eine entsprechende Ernährung während der Trächtigkeit und Laktation, ausreichende Mengen an Futter und Wasser während der Saugphase, die Fütterung der Welpen mit zusätzlichen Milchaustauschern in der frühen Laktationsphase und mit fester Nahrung nach der  3 bis 4 Lebenswoche, sowie eine Mineralanalyse des Hundefells – vor, während und nach der Trächtigkeit und Laktation.

Oral verabreichte Calciumpräparate sollten während der Trächtigkeit nicht verwendet werden, da sie in Wirklichkeit nach der Geburt der Welpen eine Hypokalzämie verursachen und nicht verhindern können.

George M. Barrington, DVM, PhD, DACVIM, Professor, College of Veterinary Medicine, Washington State University; Ivan W. Caple, BVSc, PhD, MACVSc, MRCVS, Dekan, Fakultät für Veterinärwissenschaften, Veterinärmedizinisches Zentrum, University of Melbourne; David L. Evans, BVSc, PhD, außerordentlicher Professor, Veterinärmedizinische Fakultät, University of Sydney; Jean A. Hall, DVM, Doktor, DACVIM, Professor, Fakultät für Biomedizinische Wissenschaften, College of Veterinary Medicine, Oregon State University; Katharine F. Lunn, BVMS, MS, PhD, MRCVS, DACVIM, außerordentliche Professorin, Fakultät für Medizinische Wissenschaften, College of Veterinary Medicine, North Carolina State University; Donald C. Sawyer, DVM, PhD, Professor, Michigan State University; Sharon J. Spier, DVM, Doktor, DACVIM, Professor, Fakultät für Medizin und Epidemiologie, Tierärztliche Hochschule, University of California.

Merck Manual – Veterinary Manual http://www.merckvetmanual.com/dog-owners/metabolic-disorders-of-dogs/disorders-of-calcium-metabolism-in-dogs (Zugang 08.11.2017).